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Großflächige Elementverteilungsbilder historischer Gemälde zeigen Verborgenes
Vortrag in der Reihe "Naturwissenschaftliche Einsichten in Kunst- und Kulturgut"

Dr. Matthias Alfeld, Sorbonne Universités Paris
Dr. Matthias Alfeld, Sorbonne Universités Paris
Foto: privat

Informationen zum öffentlichen Abendvortrag von Dr. Matthias Alfeld am 09.02.2017 um 19 Uhr im Kulturrathaus Dresden, Königstraße 15, 01097 Dresden

Historische Gemälde sind ein zentraler Bestandteil des kulturellen Erbes der Menschheit. Ihre Erforschung, aber auch ihr Erhalt für kommende Generationen wird durch die Untersuchung mithilfe wissenschaftlicher Methoden unterstützt. Diese können:

  • a) verworfene und übermalte Kompositionen wieder sichtbar machen und damit „verlorene“ und verschollene Werke wiederfinden,
  • b) Veränderungen und Korrekturen am ursprünglichen Konzept eines Gemäldes zeigen,
  • c) eine Unterscheidung zwischen ursprünglichen und später bei Restaurationen hinzugefügten Farbschichten erlauben und
  • d) Einblicke in den Pigmentgebrauch eines Künstlers liefern. Dieses erlaubt Erkenntnisse über die Arbeitsweise bekannter Künstler und kann damit auch dazu beitragen, Gemälde einem Künstler zuzuordnen.

Bis vor kurzem war keine Methode verfügbar, die es möglich machte, Verteilungsbilder chemischer Elemente auf und unter der Oberfläche von historischen Gemälden aufzunehmen, was bei allen diesen Fragestellungen sehr hilfreich ist.

Mit der bildgebenden Röntgenfluoreszenz-Analyse (RFA) können Elementverteilungsbilder einer Probe aufgenommen werden. Dabei wird die Probe mit einem feinen Röntgenstrahl abgetastet und für jeden Bildpunkt wird ein RFA-Spektrum aufgenommen. Die Technik wird seit mehreren Jahrzehnten für die Untersuchung kleiner Proben verwendet, doch erst mit dem technologischen Fortschritt der letzten Jahre ist sie für die Untersuchung großer Flächen einsetzbar.

Die Untersuchung historischer Gemälde mithilfe der großflächigen RFA-Methode begann im Jahr 2007 am Deutschen Elektronen Synchrotron DESY in Hamburg mit der Untersuchung von Vincent van Goghs "Patch of Grass". Da aus finanziellen, konservatorischen und logistischen Gründen nur wenige Gemälde an einer Synchrotron-Strahlungsquelle untersucht werden können, begann parallel zu den dortigen Untersuchungen die Entwicklung mobiler Instrumente. Diese Geräte nutzen konventionelle Röntgenröhren und erlauben es, Gemälde vor Ort, in Museen und anderen Ausstellungsräumen zu untersuchen. Dadurch können auch Gemälde untersucht werden, die zu groß sind für den Transport zu einer Strahlungsquelle.

Zehn Jahre nach dem ersten Experiment wurden Messungen an mindestens vier Synchrotron-Strahlungsquellen durchgeführt, zwei kommerzielle Instrumente für die großflächige RFA sind auf dem Markt und zahlreiche Forschungsgruppen haben ihre eigenen, mobilen Geräte entwickelt.

In diesem Vortrag wird Dr. Matthias Alfeld anhand von Fallstudien ausgesuchter Gemälde von Künstlern wie Vincent van Gogh, Rembrandt van Rijn und Caravaggio die Möglichkeiten und Grenzen der bildgebenden RFA-Methode zeigen. Er wird die technische Entwicklung der Geräte nachvollziehen, sie mit anderen Techniken für die Untersuchung historischer Gemälde vergleichen und eine Perspektive für weitere Entwicklungen aufzeigen.

Adresse:

Dr. Matthias Alfeld
Sorbonne Universités
UPMC Univ Paris 06,
CNRS, UMR 8220
Laboratoire d’archéologie moléculaire et structurale (LAMS)
4 place Jussieu
75005 Paris, Frankreich


Kurz-Vita Dr. Matthias Alfeld

Matthias Alfeld wurde 1981 in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg geboren. Nach seinem Abitur und einer Ausbildung zum Chemisch-Technischen Assistenten an der Gewerbeschule 13 und dem Gymnasium Altona schloss er 2008 an der Universität Hamburg den Studiengang Diplom-Chemie ab.

Verbindungen aus einem ERASMUS-Austausch an der Universität Antwerpen in Belgien nutzend, promovierte er von 2008 bis 2013 an den Universitäten von Hamburg und Antwerpen in Chemie. Thema seiner Arbeit war die Entwicklung bildgebender makro-Röntgenfluoreszenz-Analyse (RFA) für die Untersuchung historischer Gemälde an Synchrotron-Strahlungsquellen und mit Röntgenröhren.

Nach seiner Promotion arbeitete er von 2013 bis 2015 am Deutschen Elektronen Synchrotron DESY in Hamburg an der Untersuchung mikroskopischer Proben mittels RFA und der Entwicklung fortgeschrittener Datenauswertungstechniken.

Seit 2015 arbeitet er als Junior Chair im Labor für Molekulare und Strukturale Archäologie (Laboratoire d’archéologie moléculaire et structurale (LAMS), CNRS, UMR 8220) an der Sorbonne Universités, UPMC Paris 06. Dort beschäftigt er sich mit der Untersuchung von Farbresten an archäologischen Objekten mittels RFA und optischer Spektroskopie.