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Ionen entschlüsseln steinzeitliches Elfenbein - Vortrag in der Reihe "Naturwissenschaftliche Einsichten in Kunst- und Kulturgut"

Informationen zum Vortrag von Dr. Ina Reiche am 15.09.2016 im Kulturrathaus Dresden

Die Herstellung von verschiedenen Elfenbein-Objekten und symbolischen Artefakten war im Aurignacien, der ältesten archäologischen Kultur des europäischen Jungpaläolithikums, auf einem Höhepunkt in der Eiszeit-Kunst. Bisher war die chemische Untersuchung dieser außergewöhnlichen Artefakte sehr begrenzt. Dank neuer technologischer Entwicklungen, zum Beispiel der externen Mikro-Ionenstrahl-Analytik (PIXE/PIGE), können diese Artefakte nun untersucht werden, ohne sie zu beschädigen.

Unsere Untersuchungen verfolgten hauptsächlich drei Ziele:

  • 1. die genaue Einschätzung des Erhaltungszustands der Mammutelfenbein-Objekte aus dem Aurignacien,
  • 2. die Evaluierung des Potenzials von Spurenelement-Analytik als Hinweis für die Herkunftsbestimmung des Elfenbeins auf einer regionalen Ebene,
  • 3. die Bestimmung des F-Gehalts als Methode der relativen Datierung innerhalb bestimmter Fundplätze.

Mammutelfenbein-Artefakte von paläolithischen Schlüsselfundplätzen in Frankreich und Deutschland (Abri Castanet, die Höhlen La Verpillière I und II in Germolles sowie die Vogelherd- und Hohle-Fels-Höhlen auf der Schwäbischen Alb) sind vergleichend untersucht worden. Unsere ersten Ergebnisse zeigen, dass - betrachtet man diagenetische Prozesse grundsätzlich mit - Fundplatz-spezifische Spurenelement-Muster gefunden werden können. Diese Muster erlauben Interpretationen zur Elfenbeinprovenienz, zum Verständnis der verschiedenen Wege der Elfenbeinbeschaffung und zu deren Nutzung in der Steinzeit [1,2].

Die neu gewonnenen Einsichten zu den Potenzialen und Grenzen dieser Analysen sind auch auf Untersuchungen anderer Knochenmaterialien unterschiedlicher prähistorischer Perioden übertragbar.


Kurz-Vita Dr. Ina Reiche 

Ina Reiche studierte Chemie und Kunstgeschichte an der FU Berlin, der Universität Toulouse III und der Universität Sorbonne, bevor sie im Jahr 2000 in Materialwissenschaften an der Universität Paris VI promovierte. Zwischen 2000 und 2002 arbeitete sie im Rathgen-Forschungslabor an den Staatlichen Museen zu Berlin, ging dann 2003 zum CNRS, um im Forschungslabor der französischen Museen zu arbeiten. Sie habilitierte sich in Chemie 2009 und wurde 2012 Forschungsdirektorin des CNRS. 2014 nahm sie die Stelle der Direktorin des Rathgen-Forschungslabors, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz an.


Publikationen:

[1] C. Heckel, K. Müller, R. White, H. Floss, N. Conard, I. Reiche, Micro-PIXE/PIGE analysis of Palaeolithic mammoth ivory: potential chemical markers of provenance and relative dating. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 216 (2014) 133-141.

[2] C. Heckel, K. Müller, R. White, S. Wolf, N.J. Conard, C. Normand, H. Floss, I. Reiche, F-content variation in mammoth ivory from Aurignacian contexts: preservation, alteration, and implications for ivory-procurement strategies, Quarternary International, in press.

Ina Reiche (1,2);
(1) Rathgen-Forschungslabor Staatliche Museen zu Berlin, Schloßstraße 1a, 14059 Berlin, Deutschland
(2) Laboratoire d‘Archéologie Moléculaire et Structurale, UMR 8220 CNRS UPMC, 4, Place Jussieu, 75005 Paris, Frankreich in Zusammenarbeit mit Claire Heckel (3,4), Katharina Müller (2), Randall White (3), Harald Floss (5) und Nicholas Conard (5)
(3) Center for the Study of Human Origins, Department of Anthropology, New York University, USA
(4) Université de Toulouse II-Jean Jaurès, Laboratoire Travaux et Recherches Archéologiques sur la Culture, l'Espace et les Sociétés, CNRS UMR 5608, Frankreich
(5) Institut für Ur- und Frühgeschichte, Universität Tübingen, Deutschland