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Porträt Prof. Dr. Bemmerer, Daniel; FWKK

Prof. Dr. Daniel Bemmerer

Gruppenlei­ter Nukleare Astrophysik, Technischer Lei­ter Beschleuniger im Felsenkeller
Kernphysik
d.bemmererAthzdr.de
Tel.: +49 351 260 3581
+49 351 260 3901
Fax: +49 351 260 13581

Porträt Dr. Schmidt, Konrad; FWKK

Dr. Konrad Schmidt

Wissen­schaftlicher Mitarbeiter
Kernphysik
konrad.schmidtAthzdr.de
Tel.: +49 351 260 3581
+49 351 260 3913

Das Felsenkeller-Untertagelabor

Im Juli 2019 ging das Felsenkeller-Labor in Betrieb. Dieses Labor wurde gemeinsam vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) und der Technischen Universität Dresden (TU Dresden) erbaut. Das Labor befindet sich in Stollen VIII und Stollen IX des Felsenkeller-Areals und ist von einer 45 m dicken Felsdecke vor der kosmischen Höhenstrahlung abgeschirmt. Das Labor basiert hauptsächlich auf zwei Anlagen, dem 15SDH-2-Pelletron-Ionenbeschleuniger und einem 163-%-reinstgermanium Detektor. Der von NEC (National Electrostatics Corporation) hergestellte Ionenbeschleuniger stand ursprünglich in York, Großbritannien, und wurde als 14C-Massenspektrometer genutzt, bis er vom HZDR gebraucht erworben wurde und schon im Juli 2012 über Sattelzüge und Fähren nach Dresden transportiert wurde.

Felsenkeller, layout of tunnels VIII and IX ©Copyright: PD Dr. Bemmerer, Daniel

Felsenkeller, Karte von Stollen VIII und Stollen IX

Die beiden Stollen des Labors werden in zwei Bereiche eingeteilt, in den umhausten Strahlenschutzbereich A und die Bereiche B und B´.

Im Bereich A befinden sich der Ionenbeschleuniger und zwei Bunker.

Foto: IMG 4251 ©Copyright: Christian Schulz
Hochenergieseite des Beschleunigers

Der Ionen-Beschleuniger kann in zwei Arten arbeiten, im sogenannten Tandem-Modus und im Single-Ended-Modus.

Im Tandem-Modus werden Ionen zweimal beschleunigt. Zuerst gelangen die negativ geladenen Ionen von einer externen Quelle in den Drucktank und werden zum Hochspannungsterminal in der Mitte des Drucktanks beschleunigt. Dort befindet sich ein Elektronen-Stripping-System (in unserem Fall eine Stickstoffzelle), welches den Ionen zwei oder mehr Elektronen entzieht und diese so in positiv geladene Ionen umwandelt. Dadurch werden die Ionen dann auf einfaches oder mehrfaches des Potenzials, zur Hochenergieseite des Tanks, beschleunigt.

Rechts im Bild sieht man die Sputterionenquelle. Die Sputterionenquelle ist
die externe Quelle. In der Quelle wird zuerst eine Mischung mit Cäsium erhitzt, wodurch eine Cäsiumwolke entsteht, welche dann ionisiert wird und auf eine Kathode trifft. Dabei werden einzelne Atome aus der Kathode geschlagen. Bei der Ionisation geben die Cäsiumatome Elektronen ab, welche dann die herausgeschlagenen Atome aufnehmen. Dadurch werden diese einfach negativ geladen und durch eine positive Spannung, die sogenannte Extraktionsspannung, beschleunigt.
Die Hauptbeschleunigung findet im 5MV Pelletron statt. Der Unterschied zwischen der Beschleunigung in der Sputterionenquelle und im Hauptbeschleuniger ist, dass die Sputterionenquelle nicht mit z. B. SF6 isoliert werden muss, da eine geringere Spannung anliegt. Im Vergleich steht die Sputterionenquelle trotzdem unter Hochspannung und wird daher von dem, rechts im Bild zusehenden, blauen Faradayschen Käfig umgeben.

Foto: IMG 4206 ©Copyright: Christian Schulz
Sputterionenquelle
Foto: IMG 4254 ©Copyright: Christian Schulz

Drucktank

Während der Lagerung in Dresden-Rossendorf, zwischen 2012 und 2017, wurde das Hochspannungsterminal im Drucktank überarbeitet. Es wurde ein zusätzlicher Modus, der single-ended-Modus, installiert, indem am Terminal intern eine weitere Ionenquelle eingebaut wurde. Beim single-ended-Modus werden positiv geladene Ionen direkt am Hochspannungsterminal produziert und nur einmal beschleunigt. Dieser Modus ist besonders nützlich, um Edelgase wie Helium zu beschleunigen, da diese keine weiteren Elektronen aufnehmen können.

Die Bunker befinden sich in den Räumen 110 und 111. Beide Bunker sind von einer 40 cm dicken Betonschicht umgeben. Die einzelnen Bestandteile des Betons (Sand, Zement, Kies) wurden vor dem Zusammenmischen einzeln analysiert, um eine spezifische Radioaktivität von weniger als 20 Bq/kq sicherzustellen.

Foto: IMG 4198 ©Copyright: Christian Schulz
Raum 110, Activation Bunker

Der Bunker in Raum 110 (auch Activation-Bunker genannt) beheimatet drei Detektoren. Diese Detektoren werden für Messung von Radioaktivität genutzt. Der   TU1-Detektor, einer der drei Detektoren, gehört zu den empfindlichsten Detektoren für Radioaktivität der Welt. Zurzeit befindet sich der Asteroid, welcher am 8. März 2026 in Koblenz in ein Wohnhaus eingeschlagen ist, auf diesem Detektor.
Der Bunker im Raum 111 hingegen wird für In-Beam- Messungen genutzt. In diesem finden die Messungen mit dem Ionenbeschleuniger statt.

Foto: IMG 4146 ©Copyright: Christian Schulz
Raum 111, Bunker für In-Beam Messungen

Im Bereich B befinden sich der SF6-Vorratstank, die SF6-Pumpstation und die Mehrheit der Kühlaggregate. Im Drucktank, in welchem sich das Hochspannungsterminal befindet, nutzt man das SF6-Gas zur Isolierung. Dieses Gas wird über die Pumpstation in den Drucktank gepumpt. Die Chiller sind das Kühlsystem des Labors. Die Mehrheit dieser befindet sich im Bereich B, in Stollen IX. Ein kleines Kühlaggregat steht auch im Bereich A.

Foto: IMG 4107 ©Copyright: Christian Schulz
SF6-Vorratstank
Foto: IMG 4105 ©Copyright: Christian Schulz
SF6-Pumpstation
Foto: IMG 4103 ©Copyright: Christian Schulz
Chiller

 

Der Ionenbeschleuniger wird vollständig von dem unten zu sehenden Kontrollpult über Tage ferngesteuert. Die Computer des Kontrollpults nutzen das Programm LabView, um den Beschleuniger zu steuern. Das Kontrollpult und viele Arbeitsplätze für Studenten, Doktoranden und feste Mitarbeiter befinden sich gegenüber der Eingänge zum Stollen VIII und Stollen IX.

Foto: IMG 4228 ©Copyright: Christian Schulz
Beschleuniger-Kontrollraum
Foto: IMG 4245 ©Copyright: Christian Schulz
Eingang Büro Felsenkeller-Labor

Berühmte Besucher am Felsenkeller-Labor:

28.06.2017: Richtfest des neuen Felsenkellerlabors, nachdem der Beton gegossen wurde, aber bevor irgendwelche Systeme eingebaut wurden. Wir fühlten uns sehr geehrt, dass der Physik-Nobelpreisträger von 2015, Professor Arthur McDonald, auf dem Richtfest eine Rede gehalten hat. Das Foto zeigt Prof. McDonald zusammen mit Kai Zuber und Daniel Bemmerer im Stollen VIII, vor dem Eingang in die beiden Betonbunker.

Richtfest für das Beschleunigerlabor im Felsenkeller am 28. Juni 2017 ©Copyright: TU Dresden/Robert Lohse

Technischer Leiter des Felsenkellers Dr. Daniel Bemmerer, Ehrengast Physik-Nobelpreisträger Prof. Art McDonald und der Wissenschaftliche Leiter des Felsenkellers Prof. Kai Zuber auf dem Richtfest, Juni 2017.

Foto: TU Dresden/Robert Lohse

04.07.2019: Zeremonieller Start des 5MV Beschleunigers. Wir fühlten uns sehr geehrt, dass der Physik-Nobelpreisträger von 2015, Takaaki Kajita, Ehrengast dieser Zeremonie war.

Ceremonial start of operations of Felsenkeller 5 MV underground accelerator on 04.07.2019: Physics Nobel Laureate Prof. Takaaki Kajita (center) together with PD Dr. Daniel Bemmerer (Deputy Scientific Director Felsenkeller), Prof. Gerhard Rödel (Prorektor Research, TU Dresden), Prof. Thomas Cowan (Director, HZDR Institute for Radiation Physics), Prof. Kai Zuber (Scientific Director Felsenkeller). ©Copyright: André Wirsig / HZDR

Feierliche Inbetriebnahme des Felsenkeller 5 MV Untertage-Beschleunigers am 04.07.2019: Physik-Nobelpreisträger Prof. Takaaki Kajita (Bildmitte) gemeinsam mit PD Dr. Daniel Bemmerer (Technischer Leiter Beschleuniger im Felsenkeller), Prof. Gerhard Rödel (Prorektor Forschung, TU Dresden), Prof. Thomas Cowan (Direktor des HZDR-Instituts für Strahlenphysik), Prof. Kai Zuber (Wissenschaftlicher Leiter Beschleuniger im Felsenkeller)

Foto: André Wirsig / HZDR