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Die Zukunft der Rohstofferkundung in Europa
Das EU-Projekt "INFACT" – Innovative, nicht-invasive und gesellschaftlich akzeptable Explorationstechnologien


Link zur Presseinformation vom 10.11.2017


Barrieren für die Erkundung – Der Hintergrund

EU-Projekt INFACT Logo

Die EU ist einer der weltweit größten Verbraucher von mineralischen und metallischen Rohstoffen und es ist davon auszugehen, dass der Bedarf an diesen Ressourcen in Zukunft erheblich ansteigt. Trotz einer langen Bergbautradition und reicher Mineralvorkommen ist Europa gegenwärtig nicht attraktiv für die Exploration. Die Ursachen liegen in einer Reihe von gesellschaftlichen, politischen, gesetzlichen, finanziellen, technischen sowie physikalischen Herausforderungen. Diese behindern den Zugang zu neuen Lagerstätten und erschweren technologische Innovationen, die nötig sind, um Rohstoffe schonend zu erkunden.

Das EU-Projekt INFACT hat das Ziel, Europa als Standort für die aktive Erkundung von Rohstoffen zu beleben und dadurch zur Versorgungssicherheit beizutragen. Die Projektpartner wollen einen Wandel in der Exploration herbeiführen, indem sie gesellschaftlich akzeptable, umweltfreundliche und technologisch fortschrittliche Methoden und Prozesse vorantreiben. INFACT wird zudem in einer Neubewertung des Rohstoffpotenzials in Europa resultieren. 


Dialog, Innovation und Reform – Die Ziele

Zivilgesellschaft einbinden

Sowohl in seinem Konsortium als auch in seinen Aktivitäten vereint INFACT Interessengruppen aus Zivilgesellschaft, staatlichen Behörden, Forschung und Industrie mit dem Ziel, Europas Stärken in der Exploration sichtbar zu machen und diese mit guten sozialen und umweltfreundlichen Praktiken zu verbinden.  

Das Projekt zielt darauf ab, das Bewusstsein und die Akzeptanz für umweltfreundliche, sichere und effektive Explorationsmethoden in der Gesellschaft zu steigern sowie Vertrauen in die Rohstoffwirtschaft aufzubauen. Zwischen Zivilgesellschaft, Staat und Industrie soll ein gemeinsames Verständnis der besten Praktiken bei der Erkundung entwickelt werden; anschließend sollen diese innerhalb der EU verbreitet werden.

Innovationen fördern

Die Partner wollen die Stärken Europas in Forschung, Innovation und Wissen nutzen, um neue Technologien zu entwickeln, die Wachstum in verschiedenen Bereichen erleichtern – von Technologieentwicklern über den Bergbausektor hin zu weiteren Industrien.

Europäische Referenzgebiete etablieren

Im Rahmen des Projekts sollen langfristige technische Infrastrukturen, sogenannte Referenzgebiete, geschaffen werden, die es ermöglichen, nicht-invasive Explorationsmethoden unter industrienahen Bedingungen zu testen und zu bewerten. Bisher gibt es nicht genügend geeignete Möglichkeiten dafür in Europa. Die Projektpartner werden öffentliche Behörden, lokale Verwaltungen und betroffene Bevölkerungsgruppen aktiv in das Projekt mit einbeziehen.

Die Gebiete wurden anhand vielfältiger sozialer, physikalischer und technischer Herausforderungen ausgewählt, die bei der Erkundung von Rohstoffen eine Rolle spielen können. Sie sind durch aktiven oder historischen Bergbau gekennzeichnet und umfassen Lagerstätten für Industrie- wie auch Hochtechnologiemetalle.

Drei europäische Referenzgebiete sind geplant:

  • Region Nord: Sakatti ist eine weitgehend erkundete, aber bisher nicht in Abbau befindliche Kupfer-Nickel-Platingruppenelemente-Lagerstätte (Betreiber: Anglo American) im hohen Norden Finnlands, etwa 150 Kilometer oberhalb des Nördlichen Polarkreises.
  • Region Mitte: Im Zentrum dieses Gebietes liegt die Kleinstadt Geyer im Erzgebirge. Sie befindet sich etwa 110 Kilometer südlich von Leipzig im Osten Deutschlands und hat eine lange Bergbautradition. Bekannt sind Vorkommen an Zinn, Zink, Wolfram, Molybdän, Kupfer, Eisen, Silber und Indium.
  • Region Süd: Dieses Referenzgebiet in Spanien umfasst zwei Lagerstätten. „Cobre Las Cruces“ ist ein Kupfertagebau (Betreiber: First Quantum Minerals) in Gerena, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Sevilla. „Minas de Ríotinto“ ist ein altes, bekanntes Abbaugebiet für Kupfer und andere Metalle (Betreiber: Atalaya Mining) in der Provinz Huelva rund 65 Kilometer nordwestlich von Sevilla.

Innovative Technologien vorantreiben

Die Forscher wollen innovative Technologien und Prozesse für die Exploration entwickeln, die weniger  invasiv sind als klassische Verfahren, also die Eingriffe in den Boden verringern. Gleichzeitig erwarten sich die Forscher mit diesen Methoden tiefere und empfindlichere Messungen sowie die Bestimmung neuer physikalischer Eigenschaften im Untergrund. Darüber hinaus beschäftigen sie sich mit den Erkundungsplattformen, von denen aus die Technologien zum Einsatz kommen. Ein Schwerpunkt liegt bei Multisensor-Drohnen, die mehrere Methoden integrieren und als eine der einflussreichsten Innovationen bei der Exploration von mineralischen Ressourcen gelten.

Die Technologien basieren auf verschiedenen physikalischen Eigenschaften und Methoden, zum Beispiel Magnetik, Elektromagnetik und Infrarot-Spektroskopie. Die Wissenschaftler werden Neuentwicklungen, wie supraleitende Sensoren (SQUIDs), erproben. Diese gelten als die empfindlichsten magnetischen Sensoren im Bereich der Geowissenschaften mit einer herausragenden Leistungsfähigkeit, die die Forscher demonstrieren wollen. Außerdem haben die Partner das Ziel, elektromagnetische Methoden voranzutreiben, um tiefe geologische Ziele zu erkunden; die Verbesserung der Datenverarbeitung ist dafür ebenfalls wichtig. Im Hinblick auf die Spektroskopie geht es darum, Daten aus dem Bereich des sichtbaren und nahen, des mittleren und des fernen Infrarots zu integrieren. Dadurch lassen sich erheblich mehr mineralische Informationen gleichzeitig analysieren.

Die untersuchten Verfahren können auch auf anderen Gebieten angewendet werden, zum Beispiel Hydrogeologie, Umweltwissenschaften und ReMining (Gewinnung von Rohstoffen aus Bergbauhalden) und somit auch dort Innovationen antreiben.

Technologien bewerten

INFACT sieht vor, aktuelle und innovative Explorationstechnologien im Sinne von Transparenz und Wettbewerb nach ihren Umweltfolgen, ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz und ihrer technologischen Leistungsfähigkeit zu bewerten und diese Informationen Entscheidungsträgern zur Verfügung zu stellen. Das Ziel ist es, ein System zur Zertifizierung der Technologien aufzubauen. Um diese anzuwenden, kommen in den Referenzgebieten Helikopter, Flugzeuge und Drohnen zum Einsatz.

Erkundung beleben

Aufbauend auf dem Dialog mit den Interessengruppen und der Forschung wollen die Projektpartner einen Wegweiser für moderne Exploration erarbeiten mit dem Ziel, die Bedingungen für die Rohstofferkundung in Europa zu verbessern und dadurch Bergbauunternehmen und Investoren anzuziehen. Konkret geht es um eine ganze Reihe von Einflussfaktoren, die untersucht werden: rechtliche und gesetzliche Hürden, Verfügbarkeit und Qualität von Daten, politische und soziale Herausforderungen, Landrechte und gesellschaftlicher Auftrag (“social license to operate”). Die Beteiligten befassen sich aber auch mit Strategien, um die Komplexität, die Dauer, die Kosten und die Risiken von Exploration zu senken. Schließlich werden sie die Erkenntnisse über und das Verständnis von innovativen, umweltfreundlichen und sicheren Erkundungsansätzen in der Öffentlichkeit, gegenüber Behörden und Ministerien und in der Industrie verbreiten. 


INFACT – Steckbrief:

  • Fördermittelgeber: EU/ H2020
  • Förderbetrag: 5,6 Mio €
  • Laufzeit: November 2017 – Oktober 2020
  • Koordinator: Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf
  • Partner: 17 Einrichtungen aus Wissenschaft und Forschung, Industrie, staatlichen Behörden und gemeinnützigen Organisationen mit Sitz in sieben Ländern. Zusammen verfügen die Partner über umfangreiche Erfahrungen auf den Gebieten Bergbau, Geologie, Exploration, Informationstechnologie, Sozialwissenschaften und Kommunikation: Agencia de Innovation y Desarrollo (IDEA), Anglo American Sakatti Oy, Arhus Geo, Atalaya Mining, ATClave, Cobre las Cruces, Dialogik, European Federation of Geologists (EFG), Fraunhofer IAO, GALSA (Geotech), Geognosia, Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (Koordinator), Oulu Mining School, SRK Exploration Services, Supracon, Finnish Environment Institute SYKE, University of Eastern Finland.

Kontakt:

Anja Weigl | Pressereferentin
Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie am HZDR
Tel. +49 351 260–4427| E-Mail: a.weigl@hzdr.de


Stand: 9.11.2017