Pressemitteilung vom 8. Juli 2025

DALI nimmt wichtige Hürde auf dem Weg zur Umsetzung

HZDR-Zukunftsprojekt auf Shortlist des Bundesforschungsministeriums aufgenommen

Die am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) geplante Dresden Advanced Light Infrastructure (DALI) hat einen wichtigen Meilenstein erreicht. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat das Forschungsvorhaben auf die Shortlist der prioritären Forschungsinfrastrukturen in Deutschland gesetzt. Dies verkündete Bundesforschungsministerin Dorothee Bär auf einer Pressekonferenz am Dienstag, dem 8. Juli 2025, in Berlin. Damit gehört DALI zu den bundesweit besonders förderwürdigen wissenschaftlichen Großprojekten, die das Innovationspotential Deutschlands langfristig sichern und stärken sollen.

Foto: DALI Key visual ©Copyright: HZDR/Blaurock

Logo des HZDR-Zukunftsprojekts DALI

Bild: HZDR/Blaurock

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„Die Platzierung auf der Shortlist ist für uns ein großer Erfolg und ein entscheidender Schritt zur weltweit stärksten Terahertz-Quelle hier in Dresden“, sagt der Wissenschaftliche Direktor des HZDR, Prof. Sebastian M. Schmidt. „Mit dieser einzigartigen Anlage wird hochkarätige Spitzenforschung in einer für uns bisher nicht verfügbaren Breite möglich: von der Informationstechnologie über die Gesundheitsforschung bis hin zur Energiewende und weiteren zukunftsrelevanten Anwendungsfeldern. Ich bin überzeugt, dass DALI aufgrund dieser wissenschaftlichen Vielfalt eine große Anziehungskraft auf herausragende Forscherinnen und Forscher aus aller Welt entfalten wird – und damit nicht nur die Innovationskraft unserer Region, sondern auch die internationale Sichtbarkeit des Wissenschaftsstandorts Deutschland nachhaltig stärkt.“

DALI-Lichtquelle als wahres Multitalent

DALI ist eine Lichtquelle im Terahertz (THz)-Frequenzbereich, die auf Elektronenbeschleunigern basieren und mit Laserstrahlung gekoppelt werden soll. Die Anlage soll einen präzisen Blick in die Welt der elementaren Quantenprozesse in praktisch jeder Art von Materie ermöglichen. Die THz-Lichtpulse von DALI werden so intensiv sein, dass gezielt neue, normalerweise nicht existierende Materiezustände erzeugt werden können.

Dazu nutzt die Anlage mehrere supraleitende Beschleuniger, die pro Sekunde viele Milliarden Elektronen fast auf Lichtgeschwindigkeit bringen. Diese extrem energiereichen Elektronenwolken werden soweit komprimiert, dass sie durch Magnetfelder letztlich im Gleichtakt gepulste THz-Strahlung aussenden können. Gleichzeitig ermöglichen die Laserstrahlen, dass die mit THz-Licht erzeugten Prozesse beobachtet werden können. Man erhält so schließlich einen Film, der die mikroskopischen Quantenprozesse in der Probe mit ultimativer zeitlicher Präzision entschlüsselt.

Mit dieser Technologie soll es DALI der Wissenschaft ermöglichen, gezielt mikroskopische Prozesse mit Licht anzustoßen und angeregte Materiezustände zu erzeugen. Genau dies wird gebraucht, um neue Materialien zu entwickeln, die Basis für Sprunginnovationen sein können. Vor allem Quantentechnologien gelten in vielen Bereichen als Grundlage für künftige Anwendungen. Ohne THz-Strahlung stößt die Quantenforschung aber an Grenzen. DALI wird hier im wahrsten Sinne des Wortes Licht ins Dunkel bringen und die Grundlage für die Weiterentwicklung von Quantentechnologien und zahlreiche Anwendungen schaffen.

Diese so begehrte Strahlung ist jedoch bisher technisch nur schwer und ineffizient zu erzeugen. DALI kann hier als Vorreiter die noch wenig erforschte Lücke zwischen den Welten der Elektronik und Optik schließen. Forscher*innen aus aller Welt und aus unterschiedlichen Fachrichtungen begeistern sich deshalb schon heute für das Potential von DALI. Egal ob Materialwissenschaften, Gesundheitsforschung oder Informationstechnologie, ob Chemie oder Klimaschutz – THz-Strahlung und damit auch DALI soll künftig völlig neue Forschungsgebiete und damit auch ungeahnte Anwendungen erschließen.

Über das nationale Priorisierungsverfahren:

Im Jahr 2024 hat das Bundesforschungsministerium ein neues Verfahren zur Priorisierung umfangreicher neuer Forschungsinfrastrukturen aufgesetzt. Ziel der Initiative ist es, Projekte zu identifizieren, die bei hoher wissenschaftlicher Exzellenz gleichzeitig ein starkes Innovations- und Transferpotential aufweisen. Die Begutachtung der eingereichten Konzepte erfolgte durch den Wissenschaftsrat, das wissenschaftliche Beratungsgremium von Bund und Ländern. Bewertet wurden dabei das wissenschaftliche Potential, die Nutzungsmöglichkeiten durch die Forschungsgemeinschaft, die Bedeutung für den Wissenschaftsstandort Deutschland sowie die technische Umsetzbarkeit.

Die Shortlist umfasst Vorhaben, die aus forschungspolitischer Sicht vorrangig umgesetzt werden sollen. Eine Aufnahme stellt zwar noch keine Finanzierungs- oder Realisierungszusage dar, markiert aber einen entscheidenden Zwischenschritt im Planungsprozess. Die finale Entscheidung soll auf Basis strategischer Erwägungen, der weiteren fachlichen Ausgestaltung und der verfügbaren Haushaltsmittel erfolgen.