Sylvia Maus

Wissenschaftsmanagerin Gremien, Recht, Organisation


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Dr. Sylvia Maus

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Was ist für dich das Besondere an deinem Beruf? Was begeistert dich daran?

Das Besondere an meinem Beruf ist für mich die Mischung aus strategischem Blick und ganz konkreter Umsetzung. In der Stabsabteilung Gremien, Recht, Organisation laufen viele Fäden zusammen: Entscheidungen der Leitung, Anforderungen aus Forschung und Administration, rechtliche Rahmenbedingungen und organisatorische Entwicklungen. Ich finde es spannend, an dieser Schnittstelle zu arbeiten, dort, wo aus Ideen Strukturen werden, die das Zentrum langfristig tragen.

Mich begeistert besonders, dass ich Gestaltungsräume habe. Organisation ist nichts Starres, sondern etwas Lebendiges: Wir können Prozesse verbessern, Zusammenarbeit erleichtern und damit indirekt exzellente Forschung möglich machen. Außerdem arbeite ich mit sehr unterschiedlichen Menschen, von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über Verwaltungsprofis bis hin zu externen Partnern in Ministerien und Partnereinrichtungen. Diese Vielfalt, das gemeinsame Ringen um gute Lösungen und der Blick darauf, was das HZDR als Ganzes voranbringt, motivieren mich.

Was war dein Entscheidungsmoment für das Wissenschaftsmanagement?

Ein wichtiger Entscheidungsmoment für das Wissenschaftsmanagement war die Erkenntnis, dass ich neben meiner Leidenschaft für die Wissenschaft auch ein starkes Interesse daran habe, strukturelle und strategische Prozesse zu gestalten, die Forschung ermöglichen und fördern. Während meiner Zeit als Wissenschaftlerin bemerkte ich, wie entscheidend eine gut organisierte und unterstützende Forschungsumgebung für den Erfolg wissenschaftlicher Projekte ist. Daher habe ich schon als Doktorandin und später auch als Postdoc zahlreiche Koordinationsaufgaben in vorwiegend interdisziplinären Projekten übernommen. Dabei stellte ich fest, dass ich nicht nur Freude daran hatte, meine eigenen Forschungsideen zu verfolgen, sondern auch daran, den Rahmen für andere zu schaffen, damit sie ihre wissenschaftlichen Ziele erreichen können. Diese Erkenntnis, kombiniert mit der positiven Wirkung von Vorbildern und der Aussicht auf eine langfristige und gesicherte Beschäftigung im Wissenschaftskontext, brachte mich dazu, den Schritt ins Wissenschaftsmanagement zu wagen.

Wer oder was hat dich in deiner Karriere besonders gefördert?

Der erste Anstoß war für mich die Teilnahme an einem einjährigen Zertifikatskurs Forschungsmanagement für Nachwuchswissenschaftler. Über ein Jahr lang konnte ich meine Fähigkeiten erweitern und mein Wissen vertiefen und vor allem eine klarere Idee davon erhalten, was Forschungs- und Wissenschaftsmanagement eigentlich bedeutet, nicht nur als Teil meiner Arbeit als Wissenschaftlerin, sondern als eigenständige Karriereoption. Später dann war es vor allem der Austausch und die Zusammenarbeit mit engagierten und kompetenten Kolleginnen und Kollegen hier am HZDR und in Netzwerken für Wissenschaftsmanagement, durch die ich wertvolle Kontakte knüpfen und von den Erfahrungen anderer profitieren konnte. Als eine besondere Chance habe ich die Teilnahme am Dresdner Cross-Mentoring-Programm empfunden. Der enge Austausch mit einer Mentorin über ein ganzes Jahr, die branchenübergreifende Vernetzung mit anderen Mentees und das begleitende Seminarangebot haben enorm zu meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung beigetragen. Schließlich spielen die Unterstützung und das Vertrauen von Führungskräften eine wichtige Rolle. Gerade hier am HZDR habe ich das Glück, Führungskräfte zu haben, die meine Karriereentwicklung gefördert und mir genau dann Raum für Weiterentwicklung gegeben haben, als es darauf ankam.

Was ist deiner Meinung nach nötig, um mehr junge Frauen für die Wissenschaft zu begeistern?

Ich bin fest davon überzeugt, dass viele Mädchen und junge Frauen eine Begeisterung für die Wissenschaft in sich tragen. Es gilt, sie zu ermutigen, diesen Weg auch zu gehen. Dabei spielen meiner Meinung nach Vorbilder und Mentorinnen eigene besondere Rolle. Sie können junge Frauen inspirieren und ihnen zeigen, dass eine Karriere in der Wissenschaft erreichbar ist. Wir brauchen also mehr weibliche Führungskräfte in der Wissenschaft, nicht nur wegen des Vorbildcharakters, sondern auch, weil es mittlerweile Belege dafür gibt, dass von weiblichen Führungskräften geführte Teams diverser aufgestellt sind und die Karrierechancen für junge Wissenschaftlerinnen höher sind. Netzwerke und spezielle Programme für Frauen in der Wissenschaft können helfen, Barrieren abzubauen und Unterstützung zu bieten. Meiner Erfahrung nach sind und bleiben flexible Arbeitsbedingungen und Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf essenziell, um Frauen langfristig in der Wissenschaft zu halten. Dazu gehört auch eine gewisse Planbarkeit von Karrierewegen. Nicht zuletzt gilt es für alle – Männer wie Frauen – das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Herausforderungen in der Wissenschaft zu schärfen und aktiv daran zu arbeiten, diese zu überwinden.

Welche Ziele oder Wünsche hast du für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass wir am HZDR – und in der Wissenschaft insgesamt – weiter mutig gestalten: organisatorisch, kulturell und strategisch. Mein Ziel ist, Strukturen zu entwickeln, die die Forschung noch besser unterstützen, Zusammenarbeit erleichtern und Entscheidungen transparent machen. Kurz: Rahmen zu schaffen, in denen Menschen ihre beste Arbeit leisten können. Persönlich möchte ich neugierig bleiben. Ich möchte weiterhin Themen begleiten, bei denen es nicht nur um Verwaltung im engeren Sinn geht, sondern um Zukunftsfähigkeit: neue Formen von Führung, effiziente Gremienarbeit, klare rechtliche Orientierung in dynamischen Zeiten und eine Organisationskultur, die Vielfalt als Stärke sieht. Ich wünsche mir, dass ich auch künftig einen kleinen Teil dazu beitragen kann, nicht nur die Rahmenbedingungen für bedeutende wissenschaftliche Fortschritte zu schaffen, sondern auch eine Kultur der gesellschaftlichen Verantwortung innerhalb der Wissenschaft zu stärken. Und ich hoffe, dass wir es gemeinsam schaffen, Wissenschaft als etwas zu präsentieren, das nicht elitär oder fern wirkt, sondern offen, gesellschaftlich relevant und menschlich. Wenn junge Frauen das spüren, dann kommen sie nicht nur, sondern bleiben auch.