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Interview vom 13. April 2026

Abschied mit Perspektive

Farewell-Symposium „Terahertz-Physik und 2D-Materialien“ für Manfred Helm

Ein besonderer Anlass im Großen Hörsaal des HZDR: Mit einem Symposium wurde Prof. Manfred Helm, bisher Direktor am Institut für Ionenstrahlphysik und Materialforschung, am 20. März 2026 in den Ruhestand verabschiedet. Kolleg*innen aus dem In- und Ausland blickten auf gemeinsame wissenschaftliche Wegmarken in der Terahertz-Physik und der Forschung zu 2D-Materialien zurück. Im Anschluss an die Veranstaltung haben wir mit Manfred Helm über prägende Momente am HZDR und seine Pläne für die kommende Zeit gesprochen.


Foto: Prof. Manfred Helm ©Copyright: HZDR / A.Wirsig

Prof. Manfred Helm

Bild: HZDR / A.Wirsig

Vier Fragen an Manfred Helm:

Was waren für Sie die prägenden Momente am HZDR?

Ein herausragender Moment war sicherlich das First Lasing von FELBE in meiner Anfangszeit am HZDR vor ziemlich genau 22 Jahren. Mit dem Freie-Elektronen-Laser FELBE erzeugen wir Licht im mittleren und fernen Infrarot, das für viele Anwendungen genutzt wird – von der Halbleiterforschung bis zur Untersuchung neuer 2D-Materialien.

Damals wusste niemand, ob eine solche Anlage an der ELBE wirklich funktionieren würde. Die Herausforderung bestand darin, die Länge des über zehn Meter langen Resonators mikrometergenau auf die Wiederholrate des Elektronenpulses abzustimmen. Das ist uns schließlich gelungen – mithilfe eines zusätzlichen Femtosekunden-Laserpulses, der im Resonator hin- und her gelaufen ist.

Nach diesem Erfolg haben wir begonnen, den Nutzerbetrieb aufzubauen. Das war unter anderem eine der Aufgaben, für die mich das HZDR, damals Forschungszentrum Rossendorf, angeheuert hatte.

Wie haben Sie Ihr Abschiedssymposium erlebt?

Das war für mich sehr bewegend. Die beiden Hauptvorträge hielten zwei meiner wichtigsten Weggefährten: Karl Unterrainer von der TU Wien, mit dem ich bereits in Innsbruck studiert habe, und Thomas Dekorsy vom DLR, der maßgeblich am Aufbau der Spektroskopie-Abteilung am HZDR beteiligt war.

Ich habe mich außerdem sehr über die zahlreichen Gäste, die Geschenke und die wertschätzenden Worte von Sebastian Schmidt gefreut. Insgesamt war es ein wunderschöner Nachmittag.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Seit Anfang April habe ich einen Teilzeitvertrag mit dem HZDR, der zunächst bis Ende nächsten Jahres läuft. In dieser Zeit werde ich sehen, wie viel Freude mir die weitere Arbeit macht. In jedem Fall werde ich das DALI-Projekt weiterhin begleiten.

Es ist ein schöner Zufall, dass der Wissenschaftsrat wenige Tage vor meiner Pensionierung die Umsetzung der Dresden Advanced Light Infrastructure empfohlen hat. Ich bin ans HZDR gekommen, als ELBE noch gebaut wurde – und nun beginnt die Planung der nachfolgenden Anlage. Da schließt sich für mich ein Kreis.

Darüber hinaus interessiert mich weiterhin die Materialforschung, insbesondere das Thema 2D-Materialien. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Kolleginnen und Kollegen das Risiko eingehen wollen, mich noch einmal im Labor arbeiten zu lassen. (lacht)

Welchen Rat geben Sie dem wissenschaftlichen Nachwuchs?

Neben Talent und harter Arbeit gibt es einen weiteren entscheidenden Faktor: die Bereitschaft, Kontakte zu knüpfen und das persönliche Netzwerk zu pflegen. Daraus ergeben sich oft Einladungen und neue Möglichkeiten.

Letztlich spielt auch der Zufall eine wichtige Rolle. Als ich begonnen habe, an Freie-Elektronen-Lasern zu arbeiten, war mir nicht bewusst, welche Bedeutung dieses Feld einmal haben würde. Später hat mich dieser Weg dazu geführt, ein Institut mit 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu leiten.

Das war zunächst eine erschreckende Vorstellung für mich. Oft lohnt es sich jedoch, ins kalte Wasser zu springen und diese Chancen zu ergreifen. Rückblickend kann ich sagen, dass es sich für mich mehr als ausgezahlt hat.


Bildergalerie Symposium


Zur Person:

Manfred Helm war seit dem Jahr 2000 Direktor des Instituts für Ionenstrahlphysik und Materialforschung am HZDR und Professor für Angewandte Physik an der TU Dresden. Seine Forschung konzentriert sich auf die elektronischen und optischen Eigenschaften von Halbleitern und Nanostrukturen, insbesondere mithilfe ultraschneller und Terahertz-Spektroskopie. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Freie-Elektronen-Laser FELBE, der maßgeblich für die experimentelle Forschung genutzt wird. Weitere Schwerpunkte umfassen unter anderem Terahertz-Emitter und -Detektoren, Siliziumphotonik sowie magnetische Halbleiter.

Nach seinem Physikstudium und der Promotion an der Universität Innsbruck war er unter anderem als Wissenschaftler in den USA tätig und forschte anschließend an der Universität Linz, wo er sich habilitierte. Mit mehr als 500 wissenschaftlichen Publikationen und einer hohen internationalen Sichtbarkeit zählt er zu den herausragenden Persönlichkeiten seines Fachgebiets.