Nachricht vom 21. Mai 2026
HZDR-Preise 2025: Auszeichnungen für Spitzenforschung und besonderes Engagement
Wie bewegen sich Gasblasen in turbulenten Flüssigkeiten? Um diese beispielsweise für das Design von Industrieanlagen wichtige Frage zu beantworten, haben Wissenschaftler*innen des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) eine experimentelle Methode entscheidend weiterentwickelt und angewendet. Für diese Arbeiten erhielten sie am 21. Mai 2026 den HZDR-Forschungspreis. Bei der feierlichen Preisverleihung ehrte das Forschungszentrum außerdem Mitarbeiter*innen in den Kategorien Technologie, Transfer, Kommunikation und Promotion.
Gruppenbild der Preisträger*innen mit dem HZDR-Vorstand. Von links nach rechts: Dr. Diana Stiller, Prof. Jörg Steinbach, Dr. Susanne Schöbel, Dr. Santiago Andres Brühlmann, Dr. Martin Walther, Dr. Martin Kreller, Dr. Christopher Heins, Stefan Gatzmaga, Dr. Jochen Teichert, Dr. André Arnold, Petr Murcek, Reinhard Steinbrück, Dr. Tian Ma, Dr. Guangyuan Huang, Dr. Diana Isabel Sandoval Bojorquez, Dr. Hendrik Hessenkemper und Prof. Sebastian M. Schmidt
Bild: HZDR / A.Wirsig
Ausgezeichnet wurden Dr. Tian Ma, Dr. Hendrik Hessenkemper und Dr. Guangyuan Huang vom Institut für Fluiddynamik. Das Forschungsteam entwickelte ein Verfahren, mit dem sich Blasenschwärme in einer Flüssigkeitssäule dreidimensional und in Echtzeit untersuchen lassen. Zum Einsatz kommen dabei unter anderem vier Hochgeschwindigkeitskameras, die sowohl die Blasen selbst als auch winzige Partikel in der umgebenden Flüssigkeit präzise erfassen.
Mithilfe des Verfahrens gewann das Team neue grundlegende Erkenntnisse zur blaseninduzierten Turbulenz und zum Verhalten von Blasenschwärmen. Deren Dynamik spielt in vielen natürlichen und technischen Prozessen eine wichtige Rolle, etwa in chemischen Reaktoren, der Abwasserbehandlung oder auch bei Klimamodellen. Die Ergebnisse veröffentlichte das Team in renommierten Fachzeitschriften wie Physical Review Letters und den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).
Präzisionstechnik unter Ultrahochvakuum
Für die Entwicklung einer besonderen Ultrahochvakuum-Technologie erhielten Dr. Rong Xiang, Stefan Gatzmaga, Petr Murcek, Reinhard Steinbrück, Dr. Jochen Teichert und Dr. André Arnold vom Institut für Strahlenphysik den HZDR-Technologiepreis. Das Team baute ein hauseigenes Transfersystem für besonders empfindliche Photokathoden auf. Diese Photokathoden, beispielsweise aus dem Salz Cäsiumtellurid, müssen nach der Herstellung ohne Luftkontakt zum Einsatz an supraleitenden Elektroneninjektoren transportiert werden, an denen sie als Quelle für Elektronen dienen.
Die Technologie ermöglicht den partikelfreien Transfer dieser sensiblen Komponenten in den empfindlichen supraleitenden Elektroneninjektor und verbessert dadurch die Stabilität und die Leistung der erzeugten Elektronenstrahlen. Auch international stieß die Innovation auf großes Interesse: So erhielt das Team unter anderem den Auftrag zur Entwicklung eines Transfersystems für den LCLS-II, dem derzeit größten Beschleunigerprojekt in den USA. Die Anlage erzeugt extrem intensive Röntgenblitze, mit denen sich ultraschnelle Vorgänge in Materialien, Molekülen oder biologischen Systemen untersuchen lassen.
Preise für Technologietransfer und internen Dialog
Der HZDR-Transferpreis ging an Dr. Martin Kreller, Dr. Santiago Brühlmann und Dr. Martin Walther vom Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung. Das Team etablierte die Herstellung der Radionuklide Kupfer-61, Kupfer-64 und Kupfer-67 am HZDR. Damit treiben die Forschenden die Entwicklung neuer kupferbasierter Radiopharmaka in Europa entscheidend voran. Solche Wirkstoffe gelten insbesondere für die moderne Krebsdiagnostik und -therapie als vielversprechend. Über das Radiopharmazie-Netzwerk „nukliD“ versorgt das Team zudem regionale Partnerunternehmen mit Kupfer-Radionukliden für die Herstellung innovativer Krebsmedikamente.
Mit einem Kolloquium und mehreren Diskussionsveranstaltungen zur Friedensklausel des HZDR schuf Dr. Denise Erb vom Institut für Ionenstrahlphysik und Materialforschung Raum für einen offenen Austausch innerhalb des Forschungszentrums. Ergänzend führte sie eine Mitarbeiter*innen-Befragung durch und stellte die Ergebnisse der Belegschaft sowie dem Vorstand vor. Für dieses Engagement erhielt sie den HZDR-Kommunikationspreis. Der Kommunikationspreis wird durch den Förderverein des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) e. V. gestiftet.
Würdigung herausragender Dissertationen
Das HZDR zeichnete in diesem Jahr drei Nachwuchswissenschaftler*innen für ihre herausragenden Promotionsarbeiten aus:
- Dr. Christopher Heins (Institut für Ionenstrahlphysik und Materialforschung): Forschung zu Spinwellen in magnetischen Materialien und deren Potenzial für neuromorphes Computing
- Dr. Susanne Schöbel (Institut für Strahlenphysik): Entwicklung ultrakurzer Laserpulse zur Echtzeitdiagnostik neuartiger Plasma-Beschleuniger im Mikrometerbereich
- Dr. Diana Isabel Sandoval Bojorquez (Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung): Entwicklung impedanzbasierter Sensorplattformen für biomedizinische Anwendungen
Im Rahmen der Veranstaltung ehrte das HZDR außerdem alle Nachwuchswissenschaftler*innen, die im vergangenen Jahr ihre Promotion am Forschungszentrum abgeschlossen haben. Neben einer Urkunde überreichte der Vorstand den Promovierten einen Doktorhut. Zu den Gratulant*innen gehörten unter anderem Prof. Ingo Gestring, Rektor der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTWD), sowie Prof. Angela Rösen-Wolff, Prorektorin für Forschung und Technologietransfer der TU Dresden.
