Pressemitteilung vom 23. Juni 2026
Die Geschichte des Universums aus den Spuren kosmischer Explosionen lesen
ERC vergibt prestigeträchtige Millionenförderung an HZDR-Forscher
Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) hat heute die Gewinner*innen seiner aktuellen Advanced Grants bekannt gegeben. Insgesamt erhalten 319 führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Europa Fördermittel in Höhe von 838 Millionen Euro. Die Advanced Grants ermöglichen erfahrenen Forschenden, ambitionierte und risikoreiche Projekte der Grundlagenforschung zu verfolgen, die das Potential für bedeutende wissenschaftliche Durchbrüche besitzen. Zu den Geförderten im Bereich Physik und Ingenieurwissenschaften gehört Prof. Anton Wallner vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR). Sein Projekt SUPREME wird mit rund drei Millionen Euro gefördert. Ziel ist es, die Geschichte naher kosmischer Explosionen der vergangenen 500 Millionen Jahre zu rekonstruieren und besser zu verstehen, wie die schwersten Elemente im Universum entstehen.
Prof. Anton Wallner, Leiter der Abteilung Beschleuniger-Massenspektrometrie und Isotopenforschung.
Bild: Oliver Killig/HZDR
Das Sonnensystem ist keineswegs von seiner kosmischen Umgebung isoliert. Nahe Sternexplosionen und andere energiereiche astrophysikalische Ereignisse haben über Hunderte Millionen Jahre hinweg feine Spuren auf der Erde und dem Mond hinterlassen. Mit dem nun geförderten Projekt SUPREME (Abkürzung für „Supernova and r-process radionuclides engraved on million-years old archives from Earth and Moon“) will Anton Wallner gemeinsam mit seinem Team am HZDR diese Spuren aufspüren und daraus die Geschichte kosmischer Ereignisse in unserer galaktischen Nachbarschaft über die vergangenen 500 Millionen Jahre rekonstruieren.
Das Projekt widmet sich zwei grundlegenden Fragen der modernen Astrophysik: Wie entstehen die schwersten Elemente des Universums? Und welchen Einfluss hatten nahe kosmische Explosionen wie beispielsweise Supernovae auf die Umweltbedingungen der Erde und die biologische Evolution? Um Antworten darauf zu finden, suchen die Forschenden nach extrem seltenen radioaktiven Atomen, die im interstellaren Raum entstanden und nach kosmischen Explosionen auf Erde und Mond abgelagert wurden.
Kosmische Geschichte Atom für Atom entschlüsseln
Im Zentrum des Projekts steht eine einzigartige Analysemethode, die Wallner und sein Team entwickelt haben. Zum Einsatz kommt HAMSTER (Helmholtz Accelerator Mass Spectrometer Tracing Environmental Radionuclides), ein neues hochmodernes System für die Beschleuniger-Massenspektrometrie, kombiniert mit einer innovativen laserbasierten Technologie, die störende Untergrundsignale drastisch reduziert. Diese weltweit führende Messplattform ermöglicht den Nachweis einzelner Atome mit bislang unerreichter Empfindlichkeit und eröffnet damit neue Perspektiven nicht nur für die Astrophysik, sondern auch für zahlreiche weitere Forschungsfelder.
Das Team wird einzigartige Mondproben der NASA sowie Tiefseeablagerungen, Eisbohrkerne und andere geologische Archive der Erde untersuchen. Diese natürlichen Archive bewahren über Millionen von Jahren hinweg Spuren interstellaren Materials und ermöglichen es, nahe Supernovae und andere seltene kosmische Ereignisse nachzuweisen und zeitlich einzuordnen. Aufbauend auf dem weltweit ersten Nachweis von Material aus einem sogenannten r-Prozess-Ereignis im interstellaren Medium will das Projekt die Grenzen der Messtechnik noch weiter verschieben.
„Diese Förderung ist eine außergewöhnliche Anerkennung der international führenden Forschung von Anton Wallner. SUPREME verbindet grundlegende Fragen zur Entstehung der Elemente und zur Geschichte unserer kosmischen Umgebung mit Messtechnologien, die weltweit einzigartig sind. Wir sind stolz darauf, dass diese wegweisende Forschung am HZDR durchgeführt wird“, sagt Prof. Sebastian M. Schmidt, Wissenschaftlicher Direktor des HZDR.
Durch den Nachweis einer größeren Vielfalt seltener Radionuklide und schwerer Elemente soll SUPREME aufklären, wo und wie die schwersten Elemente des Universums entstehen. Gleichzeitig wollen die Forschenden eine detaillierte Zeitleiste naher kosmischer Explosionen erstellen. Die Ergebnisse versprechen neue und bislang unerreichte Einblicke in die Geschichte unserer kosmischen Nachbarschaft und deren möglichen Einfluss auf die Entwicklung der Erde.
Für die aktuelle Ausschreibung wurden mit 3.329 Anträgen so viele Vorschläge eingereicht wie nie zuvor – ein Anstieg um 31 Prozent gegenüber den 2.534 Anträgen des Vorjahres. Lediglich 9,6 Prozent der eingereichten Projekte erhielten eine Förderung. Dabei haben sich in der jüngsten Auswahlrunde des ERC drei in Sachsen Forschende mit ihren wegweisenden Projekten durchgesetzt. Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow spricht von einem großartigen Erfolg und gratuliert den Preisträgern herzlich: „Es ist eine enorme Leistung, eine der anspruchsvollsten Forschungsförderungen der EU einzuwerben. Diese Auszeichnung ist nicht nur ein Meilenstein für die persönliche wissenschaftliche Karriere, sondern auch ein bedeutender Gewinn für den Forschungsstandort Sachsen.“
Die ERC Advanced Grants werden im Rahmen des EU-Forschungsprogramms Horizon Europe finanziert.
Weitere Informationen:
Prof. Anton Wallner
Institut für Ionenstrahlphysik und Materialforschung am HZDR
Tel.: +49 351 260 3274
E-Mail: anton.wallner@hzdr.de
Medienkontakt:
Simon Schmitt | Leitung und Pressesprecher
Abteilung Kommunikation und Medien am HZDR
Tel.: +49 351 260 3400 | Mobil: +49 175 874 2865 | E-Mail: s.schmitt@hzdr.de
