Nachricht vom 6. Juli 2026
Zwischen Dresden und Melbourne
HZDR-Forscherin wird Professorin in Australien
Seit mehr als einem Jahrzehnt arbeitet Manja Kubeil eng mit Wissenschaftler*innen der Monash University in Melbourne zusammen. Nun hat die australische Universität die HZDR-Forscherin zur Adjunct Associate Professor ernannt, einer Position, die in Deutschland der außerordentlichen Professur entspricht und sowohl Forschungs- als auch Lehraufgaben umfasst. Im Interview spricht Prof. Kubeil über die Bedeutung der Ernennung, neue Forschungsfelder und wie die Zusammenarbeit über Kontinente hinweg gelingt.
Prof. Manja Kubeil
Bild: HZDR / K. Zheynova
Herzlichen Glückwunsch zur Berufung! Was bedeutet dieser Schritt für Sie?
Aus wissenschaftlicher Sicht freue ich mich, dass aus der Kooperation mit der Monash University, die für mich dank meines HZDR-Kollegen Dr. Holger Stephan im Jahr 2012 begann, eine so feste und nachhaltige Partnerschaft geworden ist. Die Professur ist das Ergebnis einer Reihe von hochkarätigen Projekten, die wir über die Jahre gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Ich möchte besonders die deutsch-australische Forschungsplattform MHELTHERA und die Ausbildungsinitiative DART hervorheben, in der wir nuklearmedizinisches und radiochemisches Fachwissen teilen und an beiden Standorten radiopharmazeutische Arzneistoffe der nächsten Generation entwickeln.
Und persönlich?
Natürlich bedeutet mir dieser Schritt auch persönlich sehr viel. Ich wollte mich immer beruflich weiterentwickeln und habe als Wissenschaftlerin den Professorentitel angestrebt. Dass mir der Titel jetzt von der Monash University verliehen wird, ist eine große Anerkennung und spiegelt die vertrauensvolle Zusammenarbeit wider. Es passt auch deshalb, weil ich als Postdoc längere Zeit in Melbourne gelebt und dort Freunde gefunden habe. Die Stadt fühlt sich für mich inzwischen wie ein zweites Zuhause an.
Welche Forschungsschwerpunkte möchten Sie in Ihrer neuen Rolle weiterentwickeln oder neu aufbauen?
Zusätzlich zu bereits laufenden Projekten in der Radiopharmazie nehmen wir mit der Radioökologie ein neues Thema in den Blick. Es geht um die Umweltauswirkungen von Strahlung. Australien ist ein Bergbauland und der Abbau von Schwermetallen wie Uran kann zu Boden- und Wasserverschmutzung sowie zu Luftbelastungen führen. Wir wollen herausfinden, was das für die Menschen, aber auch für die Flora und Fauna im Umfeld von Bergwerken und Lagerstätten bedeutet. Wie schon beim Gemeinschaftsprojekt mit Südafrika können wir auf Seiten des HZDR unsere radiochemische Expertise einbringen, beispielsweise bei Untersuchungen zur Aufnahme von Schadstoffen in Organismen, zu deren Weg aus der Umwelt in die Nahrungskette oder auch der Entwicklung von Sanierungsverfahren.
Wie organisieren Sie die Zusammenarbeit zwischen Australien und Deutschland ganz praktisch, trotz Zeitverschiebung und großer Distanz?
Zeitmanagement ist das A und O. Weil ich nur einmal im Jahr für ein paar Wochen in Australien sein kann, finden die meisten Besprechungen online zu festgelegten Uhrzeiten statt. Oft sind diese Besprechungen schon frühmorgens um 7:30 Uhr angesetzt. Wegen der Zeitverschiebung von zehn Stunden im Winter und acht Stunden im Sommer geht es für die Australier nicht anders. Ich fange gerne früh an, aber so eine Terminplanung erfordert Disziplin, nicht nur in der Arbeit, sondern auch privat. Weil auch mein Mann in der Wissenschaft tätig ist und international verreist, organisieren wir unseren Familienkalender meist ein halbes Jahr im Voraus.
Welche Chancen sehen Sie langfristig in der Kooperation zwischen HZDR und der Monash University?
Das ohnehin schon gute Vertrauensverhältnis ist durch die Professur noch einmal gefestigt worden. Ich finde man kann eine solche Partnerschaft gar nicht hoch genug bewerten. In Zeiten, in denen es in der Wissenschaft starken Konkurrenzdruck gibt, ist es besonders wertvoll Partner zu haben, um sich aufeinander verlassen zu können. Das gilt übrigens nicht nur für die Forschung an sich, sondern auch für die Nachwuchsförderung, die wir gemeinsam vorantreiben. So haben wir zum Beispiel das Monash Helmholtz Joint Doctoral Program ins Leben gerufen, das es einer australischen Doktorandin erlaubt, für ein ganzes Jahr nach Dresden zu kommen. Dazu kommen weitere Aufenthalte, die durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst oder den Australischen Forschungsrat gefördert werden. Von solchen Möglichkeiten profitieren beide Seiten.
Zur Person:
Manja Kubeil studierte Chemie an der TU Dresden und schloss ihr Studium 2009 mit dem Diplom ab. Bis 2014 promovierte sie am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf über metallbasierte Radiopharmaka und erhielt anschließend ein Marie-Skłodowska-Curie Actions Postdoctoral Fellowship der Europäischen Union. Mit dem begehrten Stipendium war sie für zwei Jahre an der Monash University in Melbourne, Australien, als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. 2017 kehrte sie ans HZDR-Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung zurück. Seit 2025 ist Kubeil Leiterin der Abteilung Strahlenforschung an biologischen Systemen am Institut für Ressourcenökologie des HZDR.
Weitere Informationen:
Prof. Manja Kubeil
Institut für Ressourcenökologie am HZDR
Tel.: +49 351 260 2006 | E-Mail: m.kubeil@hzdr.de
