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Verleihung des europäischen Physik-Preises in Dresden

Prof. Wolfgang Enghardt (OncoRay / FZD) erhält am 3. Dezember den IBA-Europhysics Prize 2007 für seine physikalischen Arbeiten zur Verbesserung der Krebstherapie mit Ionen.

Die Strahlentherapie mit Partikeln (Protonen und schweren Ionen) ist eine der vielversprechendsten Neuerungen der Krebsbehandlung für die kommenden Jahrzehnte. Grundlage dieser Therapie sind hochpräzise, besonders wirksame Strahlen, die exakt in den Tumor geleitet werden müssen. Hierzu ist eine akkurate Bestrahlungsplanung ebenso wie eine genaue Kontrolle der Strahlposition im Patienten unverzichtbar. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist der Physiker Prof. Wolfgang Enghardt, wofür er im Sommer 2007 den IBA-Europhysik-Preis erhielt. Die Preisverleihung findet am 3. Dezember 2007 im Dresdner OncoRay-Zentrum statt.

Die Strahlentherapie trägt bereits heute, mit jährlich steigender Tendenz, bei der Hälfte aller Krebserkrankungen zur Heilung bei. Für jede Strahlentherapie gilt, dass alle Krebszellen abgetötet werden sollen, aber gleichzeitig das gesunde Gewebe optimal geschont wird. Das Besondere der neuartigen Tumortherapie mit Partikeln (Protonen und Ionen) ist, dass diese in den Körper eindringen und in einer bestimmten Tiefe, die von der Geschwindigkeit der Partikel abhängt, stecken bleiben. Erst im Tumor also, wo die Partikel gezielt abgestoppt werden, wird die maximale Dosis abgegeben, das umliegende Gewebe wird so weitestgehend geschont.

Doch wie erkennt man von außen, dass der Partikelstrahl genau im Tumor – und nicht in gesunden Geweben davor oder danach – stoppt und seine zellschädigende Wirkung entfaltet? Prof. Wolfgang Enghardt, Professor im Dresdner OncoRay-Zentrum für medizinische Strahlenforschung in der Onkologie und Physiker im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf, entwickelte hierfür ein intelligentes Verfahren. Er nutzt dabei aus, dass die Teilchen des Therapiestrahls auf dem Weg durch Gewebe mit anderen Teilchen kollidieren und so auch neue Teilchen entstehen können. Diese kurzlebigen Positronen, also die Anti-Teilchen zu den Elektronen, verraten sich durch zwei Lichtblitze, die mit Hilfe speziell für die Ionen-Therapie entwickelter Kameras erfasst werden können. So lässt sich der Weg des Ionenstrahls aufgrund der erzeugten Positronen genau nachverfolgen. Dieses Messverfahren, kombiniert mit Präzisionsmessungen von Dr. Dieter Schardt von der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt, konnte die Tumortherapie mit schweren Ionen entscheidend verbessern. Prof. Enghardts Verfahren kann zudem auch während der eigentlichen Strahlenbehandlung eingesetzt werden, so dass damit für jeden einzelnen Patienten und jede einzelne Strahlenbehandlung garantiert ist, dass das Dosis-Maximum des Ionenstrahls nur im Tumor abgegeben wird.

Medienvertreter sind herzlich eingeladen zur Preisverleihung am 3.12.2007 im OncoRay-Zentrum, Fetscherstr. 74, Haus 31, Dachgeschoss, um 9.00 Uhr (Begrüßung) bzw. 9.45 Uhr (Preisverleihung) bzw. 10.30 Uhr (Buffet mit Möglichkeiten zum Interview).

Die beiden Forscher Prof. Enghardt und Dr. Schardt erhalten den IBA-Europhysics Prize 2007, so das Preiskomitee im Sommer 2007, “für herausragende Beiträge zur Entwicklung der Tumortherapie mit schweren Ionen, insbesondere für detaillierte Informationen über die Interaktion von Ionen mit biologischem Gewebe und für die Entwicklung neuer Technologien für die Behandlungsüberwachung während der Bestrahlung.“ Der renommierte Preis wird jedes zweite Jahr durch die Europäische Physik-Gesellschaft (European Physical Society, www.eps.org) vergeben und von der IBA-Gruppe (www.iba-worldwide.com) gestiftet.

Prof. Dr. Wolfgang Enghardt

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Wolfgang Enghardt
OncoRay & Institut für Strahlenphysik im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Tel.: 0351 458 - 7411
http://www.oncoray.de

OncoRay im Überblick:
Etwa 415.000 Menschen erkranken jedes Jahr allein in Deutschland an Krebs. Bei mehr als 50 Prozent der Patienten kommt die Strahlentherapie zum Einsatz. Bei 40% aller Heilungen von Krebserkrankungen ist die Strahlentherapie die alleinige Behandlung oder wesentlicher Bestandteil der Therapie. Die Vision des Dresdner Zentrums OncoRay ist es, die Heilungschancen von Krebspatienten zu verbessern.

Das Zentrum für Innovationskompetenz für die medizinische Strahlenforschung in der Onkologie, kurz „OncoRay“, ist ein Zusammenschluss von drei Dresdner Einrichtungen: Technische Universität Dresden, Forschungszentrum Dresden-Rossendorf und Universitätsklinikum Dresden. Es ist an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden angesiedelt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie vom Freistaat Sachsen mit bislang rund 13 Millionen Euro gefördert. Insgesamt arbeiten in verschiedenen Arbeitsgruppen, von denen 4 vollständig neu eingerichtet wurden, etwa 40 Wissenschaftler gemeinsam an folgenden Fragestellungen:

  • Grundlegendes Verständnis von Krebsentstehung und -wachstum
  • Bessere Darstellung von Tumoren und Metastasen mit bildgebenden Verfahren und auf molekularer Ebene
  • Entwicklung von biologischen Medikamenten, die spezifisch die Wirksamkeit von Strahlen auf Tumorzellen erhöhen oder
    gesunde Gewebe vor Strahlen schützen
  • Technologisch optimale, individuelle Bestrahlung von Tumoren und Metastasen.


Pressekontakt:
Dr. Christine Bohnet
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Bautzner Landstr. 128, 01328 Dresden
Tel.: 0351 260 - 2450 oder 0160 969 288 56
Fax: 0351 260 – 2700


Informationen zur Schwerionentherapie:
Das Pilotprojekt Schwerionentherapie wurde 1993 als Gemeinschaftsprojekt der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) Darmstadt, dem Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD), der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg ins Leben gerufen. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden seit 1997 mehr als 300 Patienten mit Tumoren im Kopf- und Halsbereich bei GSI behandelt. Grundlage für diese neue Krebstherapie waren langjährige Forschungsarbeiten und die große Beschleunigeranlage für Ionenstrahlen bei der GSI. Die Bestrahlung findet derzeit noch dort statt, wird aber an das Universitätsklinikum Heidelberg verlagert, sobald das dort im Bau befindliche neue Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) fertig gestellt sein wird. Ab 2008 sollen dort über 1000 Patienten jährlich behandelt werden. Weiterführende Informationen zur Schwerionentherapie sind auf den Internetseiten der GSI (www.gsi.de) zu finden.